NEUROATHLETIK • TENNIS & PERFORMANCE
Der Schlag ist sichtbar. Die Voraussetzungen dahinter nicht.
Was du auf dem Platz siehst, ist das Ergebnis dessen, was dein Nervensystem zuvor wahrgenommen, bewertet und organisiert hat. In meiner neuroathletischen Arbeit mache ich zentrale Voraussetzungen überprüfbar und nutze die Ergebnisse, um Training individuell zu steuern.
Jeder Punkt beginnt im Nervensystem
Mit Tennis-Performance meine ich nicht nur Kraft, Schnelligkeit oder technische Qualität. Ich meine die Fähigkeit, unter ständig wechselnden inneren und äußeren Bedingungen immer wieder eine wirksame Lösung für den nächsten Ball zu finden. Ob Profi, College-Spieler oder Hobbyspieler: Ziel und Leistungsniveau verändern sich – die grundlegende Aufgabe bleibt dieselbe.
Im klassischen Training sehen wir vor allem das sichtbare Ergebnis: Timing, Beinarbeit, Treffpunkt oder Präzision – aber auch Unsicherheit, Instabilität oder Schmerz. Dieses Ergebnis entsteht nicht isoliert. Noch bevor der Ball den Schläger trifft, muss das Nervensystem Informationen über Ballflug, Tempo und Spin, Position und Verhalten des Gegners, Raum, Linien, Netz, Spielstand und Regeln erfassen und einordnen. Gleichzeitig fließen Untergrund, Wetter, Zuschauer sowie der aktuelle körperliche und emotionale Zustand in die Bewertung ein.
Das Gehirn gewichtet und verknüpft diese Informationen – unter anderem aus dem visuellen, vestibulären und propriozeptiven System – und gleicht sie fortlaufend mit bisherigen Erfahrungen, Erwartungen und der aktuellen Aufgabe ab. Daraus entsteht eine Einschätzung: Ist die Situation eindeutig, ausreichend sicher und bewältigbar – oder sind die Informationen unklar, widersprüchlich oder potenziell bedrohlich?
Abhängig von dieser Bewertung organisiert das Nervensystem seine Reaktion. Erscheint die Situation sicher und kontrollierbar, können mehr Bewegungsoptionen und Leistung zur Verfügung stehen – beispielsweise präziseres Timing, besser abgestimmte Kraft und größere Anpassungsfähigkeit. Werden Informationen dagegen als unklar oder bedrohlich bewertet, können Schutzreaktionen wahrscheinlicher werden: erhöhte Muskelspannung, eingeschränkte Bewegungsoptionen, Unsicherheit, Leistungsabfall oder Schmerz.
Technik, Athletik, Taktik und Erfahrung bleiben unverzichtbar. Sie sind die verfügbaren Ressourcen. Das Nervensystem organisiert, wie zuverlässig und flexibel sie im entscheidenden Moment genutzt werden können. Genau diese meist unsichtbaren Voraussetzungen und Reaktionsmuster mache ich in meiner neuroathletischen Arbeit gezielt überprüfbar.
Drei zentrale Informationssysteme
Visuelles System
Das visuelle System leistet weit mehr als Sehschärfe. Blickfixationen, Sakkaden, Augenfolgebewegungen, Konvergenz und Divergenz, Akkommodation und Tiefenwahrnehmung beeinflussen, wie genau Ball und Gegner erfasst werden. Ambient Vision und die optokinetische Reaktion (OKN) helfen dabei, großflächige Bewegung, Geschwindigkeit, Raum und die eigene Orientierung im gesamten Gesichtsfeld zu verarbeiten. Diese Funktionen beeinflussen, wie früh, stabil und präzise Ballflug, Tempo und Spin eingeordnet werden können.
Vestibuläres System
Über die drei Bogengänge registriert das vestibuläre System rotatorische Beschleunigungen. Die beiden Otolithenorgane Utriculus und Sacculus erfassen lineare Beschleunigungen und die Orientierung zur Schwerkraft: Der Utriculus reagiert vor allem auf horizontale, der Sacculus vor allem auf vertikale Bewegungen wie Auf- und Abbewegungen. Der vestibulo-okuläre Reflex (VOR) stabilisiert den Blick bei Kopfbewegungen. Die VOR-Cancellation ermöglicht es, diesen Reflex gezielt zu unterdrücken, wenn sich Kopf und Ziel gemeinsam bewegen und der Blick auf dem Ziel bleiben soll. Im Zusammenspiel mit dem visuellen und propriozeptiven System trägt das vestibuläre System zu räumlicher Orientierung, Blickstabilität, Haltungskontrolle und Gleichgewicht bei – besonders bei Aufschlag, Split-Step, Sprint, Stopps und schnellen Richtungswechseln.
Propriozeptives System
Das propriozeptive System informiert das Nervensystem fortlaufend darüber, wo sich der Körper befindet, wie er sich bewegt und welche Kräfte auf ihn wirken. Muskelspindeln, Golgi-Sehnenorgane sowie Rezeptoren in Gelenken und Haut liefern Informationen über Muskellänge, Spannung, Gelenkstellung, Bewegung und Druck. Daraus organisiert das Nervensystem unter anderem Haltung, Muskeltonus, Kraftdosierung und Bewegungskontrolle. Im Tennis beeinflusst das, wie stabil du zum Ball stehst, wie präzise du den Treffpunkt organisierst, wie fein du Kraft dosierst und wie sicher du Beschleunigungen, Stopps und schnelle Richtungswechsel abfängst.
Dein Einstieg: Das individuelle Neuroathletik-Screening
Wenn du herausfinden möchtest, welche individuellen Voraussetzungen deine Bewegung und Performance beeinflussen, ist das Neuroathletik-Screening der erste Schritt. Ich erfasse deine Vorgeschichte und Ziele vorab mithilfe eines strukturierten Fragebogens, der auf das neuroathletische Screening abgestimmt ist.
Aus den Angaben im Fragebogen und den Ergebnissen des Screenings ergeben sich überprüfbare Ausgangskriterien. Mit diesen Ergebnissen plane ich dein individuelles Training, um vorhandene Fähigkeiten zuverlässiger abrufbar zu machen und neue Fähigkeiten zu entwickeln.
Das Ziel ist eine konkrete Verbesserung deiner Leistung auf dem Platz: mehr Tempo und Präzision im Aufschlag, frühere Antizipation, bessere Entscheidungen, ein stabilerer Treffpunkt sowie mehr Konzentration und Konstanz unter Druck. Damit steigen deine Chancen, mehr Punkte und Matches zu gewinnen und dich auf Dauer auch in deiner LK oder im für dich relevanten Ranking zu verbessern.